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Chronik

Die „Königlich Privilegierte Feuer und Zimmerstutzengesellschaft Abbach 1734-1874“ von 1984 verfolgt nach ihrer Satzung folgende Ziele: Wahrung der Tradition des Schützenwesens, Pflege des Schießsportes als Leibeserziehung und sportliche, sowie gesellschaftliche Erziehung ihrer jugendlichen Mitglieder.

So ist es heute aber wie war es zur Zeit der Gründung?

Im Sommer 1732 entschloss sich Kurfürst Karl Albrecht, da die Unsicherheit im Land durch umherfahrendes Gesindel zunahm, die Landfahnen zu reorganisieren. 1734 wurde auch Abbach auf „allerhöchsten Befehl“ zur Stellung einer Füsiliereinheit verpflichtet. Füsiliere sind mit Steinschoßmusketen bewaffnete Infanteristen (franz: fusil = Stein).

Ausgebildet und geleitet wurden die Landfahnen von Landleutnants. Diese waren meist felddienstuntaugliche, im Dienst ergraute Offiziere und Unteroffiziere. Sie unterstanden alle dem Hofkriegsrat, und weil man dort seine Landsleute kannte, legte man vor allem auf das Scheibenschießen Wert. Auch die Abbacher Bürgerschaft hatte im Jahre 1735 „zur Anlegung einer Schießstätte ein Wiesfleck eingeräumt“ bekommen. Über die Schießleistungen der Abbacher Schützen sind leider keine Unterlagen erhalten.

Wiedererwähnt wird das Abbacher Bürgermilitär anlässlich der Badekur der bayerischen Kurfürstin Maria Anna, bei deren Empfang im Markt am Mittwoch, den 22. März 1754. „Unter Paradierung des hiesigen Bürgermilitärs und eines von Stadtamhof hierher beorderten Kommandos Prinz taxischer Kürassiere bewegte sich der feierliche Zug auf der mit Pechpfannen erleuchteten Straße dem Wildbade zu.“

Das Abbacher Bürgermilitär bestand damals aus

  • 1 Leutnant
  • 1 Kommandanten
  • 1 Fähnrich
  • 1 Feldwebel
  • 1 Corporal
  • 4 Constablern
  • 41 Gemeinen

Der nächste Hinweis betreffend der Abbacher Bürgerwehr findet sich in den „Jahrbüchern der bayerischen Heeresgeschichte“. Demnach übte Jahre 1781 an Stelle der „zusammengerotteten“ Schützenkompanie die neu aufgestellte Bürgerkompanie an allen Sonn- und Feiertagen Gewehrgriffe.

Nachdem am Ende des 18. Jahrhunderts die Bürgerwehren, wurden sie durch das „Kantonsregiment von 1804/1805“ einer einheitlichen militärischen Regelung unterworfen. Nach einer Aufstellung von 1809 stellte der Markt Bad Abbach eine „Füseliercompagnie“, die dem Regenkreis angehörte. Nach der „Bürgermilitär Constitions Urkunde“ diente das Bürgermilitär ausschließlich dazu, „den friedlichen, rechtlichen Einwohner zu beschützen und die Wirkungen des Gesetzes gegen politische Vergehen und das Verbrechen zu unterstützen“.

Nach einer Blütezeit der Landwehr bis 1840 kam dann doch die Zeit, in der sich das Bürgermilitär selbst überlebt hatte. Auf Grund „der Bestimmungen des Wehrverfassungsgesetzes vom 30. Januar 1868 und des Bürgerwehrgesetzes vom 30. Dezember 1868 hat die Landwehr älterer Formation in der Funktion einer Bürgerwehr bis zum 1. Januar 1870 zu bestehen“ und sich dann aufzulösen.

Die Landwehr und dann auch die Bürgerwehr pflegten neben dem militärischen Dienst auch das sportliche Schießen. Seit 1837 existierte in Abbach eine der Landwehr verbundene Schützengesellschaft, die das sportliche Schießen mit dem Feuerstutzen pflegte. Sie stellte vermutlich ihre Tätigkeit mit der Auflösung der Bürgerwehr ein.

Das Jahr 1874 war das Gründungsjahr des unmilitärischen, des sportliche orientierten Abschnittes unserer Gesellschaft. Die Namen der Gründungsmitglieder sind uns erhalten:

1 Förstl Ignatz – Volksschullehrer, 1. Schützenmeister
2 Kiefersauer Paul – Sattlermeister, 2. Schützenmeister
3 Kroiß Mathias – Aufschlageinnehmer, Schriftführer
4 Schlauderer Xaver – Bäckermeister, Kassier
5 Ekmann Georg Brauereibesitzer
6 Förstl Eugen Volksschullehrer
7 Geigl Mathias Schlossermeister
8 Gerl Heinrich Gutsbesitzer
9 Glaser Josef Baumeister
10 Goß Josef Bräumeister
11 Holzer Johann Volksschullehrer
12 Kammermeier Josef Wagnermeister
13 Koch Johann Schreinermeister
14 Marchner Franz Hafnermeister
15 Moser Josef Gendarmeriebeamter
16 Obermillacher Josef Gendarmeriebeamter
17 Reisinger Franz Schmiedmeister
18 Dkr. Hans Röhrig prakt. Arzt
19 Schmidt Alois Uhrmachermeister
20 Weigert Georg Musikmeister

Über die ersten 50 Jahre dieser „Schützengesellschaft Abbach“ wissen wir sehr wenig. Aus einer erhaltenen Korrespondenz mit der Gemeindeverwaltung Abbach geht hervor, dass sie am 11. und 12. Juni 1899 ihr „25jähriges Bestehen feierte, verbunden mit einem größeren Festschießen, mit ausgedehnten Einladungen“. Der 1. Schützenmeister H. Riedl bat die Gemeinde um eine Ehrengabe für die Jubiläumsscheibe.

Vor der Jahrhundertwende erhielt die Schützengesellschaft, den Rechtsstatus einer königlich privilegierten Gesellschaft durch Anerkennung der allgemeinen Schützenordnung vom 25.8.1868. Der Name wurde damals auf „Königlich privilegierte Feuer und Zimmerstutzengesellschaft Abbach 1734 1874 festgesetzt.

Aus dem Jahre 1908 ist eine Fotografie anlässlich einer Theateraufführung auf einem Schützenball erhalten:

Auf dem Bild sind zu erkennen: Herr Zirngibl, Schreiner Alfons, Conditor Zinner, Koch Toni, Meindl Adam, Marchner, Rossberger, Blaimer von Gemling ….

Im April 1924 lud die Gesellschaft auf dem Platz hinter dem Gasthof Schreiner zu einem großen Preisschießen ein. Wie das Foto zeigt,

fiel das Schießen buchstäblich ins Wasser. Ein Hochwasser überschwemmte den Festplatz. Im Juli wurde das Schießen nachgeholt.

Am 28. Juni 1929 wurde die bis heute geführte Fahne geweiht. Fahnenmutter war Frau Ottilie Ritter.

Ab 1932 sind die Protokolle der Generalversammlungen erhalten. Bis Ende 1933 galt die Satzung von 1927, die bei der Wiedergründung nach dem 2. Weltkrieg wieder in Kraft gesetzt wurde.

Ende 1933 wurde die Schützengesellschaft in den Deutschen Schützenverband e.V. im „Deutschen Reichsbund für Leibesübungen, Berlin“ zwangsweise aufgenommen, der Donaugau wurde aufgelöst.

Von 1932 bis 1940 hatte Herr Otto Grünbeck das Amt des 1. Schützenmeisters bzw. Vereinsführers inne.

Von 1940 bis 1951 ruhte wegen des Krieges und der Nachkriegswirren der Schießbetrieb.

Am 29. November 1951 wurde mit die Schützengesellschaft einer Gründungs- und Generalversammlung im Gasthof Zirngibl wieder ins Leben gerufen. Anwesend waren:

Dr. Frank, Held sen., Seidl, Schulz, Koch, Karl Jackob, Stockmeier, Held jun., Hanneschläger, Kargl, Zirngibl, Aubele, MangIkammer, Arnold sen., Arnold jun., Schaider, Raith 1, Raith 11, Brunner, Angrüner, Buckenlei jr., Waldrab, Salger, Windl Otto, Bufler, Adlhoch, Kammermeier Andre, Kammermeier Albert, Hof Franz, Meier Max, Paintner H., Knorr, Wittal, Ritter Ernst, Fiedler Alfred, Bauer, Marchner Josef, Marchner Adolf, Hönig, Ströbl.

In den folgenden Jahren erlebte die Gesellschaft eine neue Blüte. Im Jahre 1954 wurde zum 80 jährigen Bestehen der Gesellschaft vom 8. bis 16. Mai ein Jubiläumsschießen durchgeführt, an dem sich 199 Schützen beteiligten.

Bis 1963 führte man im Sommer jährlich ein öffentliches Schießen durch. 1964 wurde das 90 jährige und 1974 das 100 jährige Gründungsfest der zivilen kgl. priv. Schützengesellschaft, verbunden mit einem großen Jubiläumsschießen und dem Gauschießen, durchgeführt.

Im Oktober 1976 wechselte die Gesellschaft nach weit über 100 Jahren das Gesellschaftslokal. Nachdem der Mitgliederstand auf ca. 100 Schützen angewachsen war, reichten die 4 Stände, die dazu noch bei jedem Schießen neu auf und abgebaut werden mussten, im Gasthof Zirngibl einfach nicht mehr aus. So baute die Gesellschaft eine größere fest installierte Luftgewehr Schießanlage im Keller des Gasthofes zur Post. Dadurch konnte die sportliche Tätigkeit ausgebaut werden.

Ebenfalls 1976 wurde nach anfänglichen Widerständen eine Damenabteilung gegründet, die sich zu einer wesentlichen Stütze der Gesellschaft „gemausert“ hat.

Seit Frühjahr 1983 wird das Großkaliberschießen mit Pistole und Gewehr an den Schießanlagen des Bayrischen Jagdverbandes in Bockenberg gepflegt.

Am 23. Januar 1969 wurde vom Bayerischen Innenministerium der kgl. priv. Feuer- und Zimmerstutzengesellschaft eine neue Satzung verordnet. Nach dieser Satzung ist das Gründungsjahr der Gesellschaft mit der Gründung der Landfahne gleichzusetzen, begründet durch eine „Allgemeine Schützenordnung für das Königreich Bayern“ vom 25. August 1868.

Das Schützenwesen in Bad Abbach, 140 Jahre (1734 1874) militärisch und 110 Jahre zivil beeinflusst, hat nun zusammen eine Tradition von 250 Jahren.

In dieser Tradition war, ist und wird das Ziel aller Schützen immer sein:

Die Kunst des Schießens zu üben, sich dabei gesellig zu unterhalten und die Kameradschaft nach innen und nach außen zu pflegen.

Helmut Windl